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Stadt- und Kulturring Neuffen e.V.

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„Das schönste Buch der Welt“ Die Geschichte der Heidelberger Liederhandschrift

Codex Manesse fol.187rHartmann von AueProlog: Die „Manesse" und Neuffen

Auf der Ende Januar 1999 in Stuttgart stattfindenden Antiquariatsmesse standen einige Objekte zum Verkauf, die das Stadtmuseum Neuffen unbedingt erwerben wollte. Da darunter die auch „Codex Manesse" oder „Mannessische Liederhandschrift" genannte mittelalterliche Sammlung zahlreicher Minnelieder als Faksimile aus einem Nachlaß verhältnismäßig günstig angeboten wurde, beschlossen die Museumsmitarbeiter kurzfristig, diese einmalige Gelegenheit beim Schopfe zu packen und die „Manesse" für das Neuffener Museum zu erwerben. Dieser Meinung schlossen sich auch alle Ausschußmitglieder des Stadt- und Kulturrings Neuffen e.V., des Trägervereins des Museums, an und entschieden sich ebenso kurzfristig einstimmig für einen Ankauf der wertvollen Handschrift und weiterer für Neuffen interessanter Stücke, nachdem sich sowohl Heinrich als auch Gerd nach eigenem Augenschein bei den Stuttgarter Antiquaren für diese Anschaffungen ausgesprochen hatten.

So wurde ein 3er-Team zur Ausstellungseröffnung gestückt, das sich die Mühe machen sollte, rechtzeitig und als erste einer langen Schlange Kaufwütiger am Donnerstag, dem 28. Januar 1999, um 11.00 Uhr in Stuttgart an der Eingangstüre des Kunstgebäudes bereitzustehen, zum Verkäufer der „Manesse" zu stürmen und sie käuflich zu erwerben. Das Geld hierfür hatte der Kulturring aus der Museumskasse zur Verfügung gestellt. Unsere drei wackeren Neuffener hatten dann tatsächlich das Glück, daß ihnen niemand zuvorkam und ihnen das kostbare Stück vor der Nase wegschnappte. Damit war der Stadt- und Kulturring nun im Besitz des für die Neuffener Geschichte wichtigen und wertvollen Stückes. Zumindest teilweise konnte dieser Ankauf durch die Einnahmen des vom Stadt- und Kulturrings durchgeführten Neuffener Weihnachtsmarktes finanziert werden.

 

Codex Manesse fol.187rHartmann von AueWas für eine Bedeutung hat die „Manessische Liederhandschrift", der „Codex Manesse", überhaupt?

Das außergewöhnliche Werk ist eines der 320 numerierten Exemplare, die im Lichtdruckverfahren durch den Insel-Verlag im Jahre 1928 hergestellt wurden. Es ist eine vollständige, originalgetreue Wiedergabe der auf der ganzen Welt berühmten mittelalterlichen Handschrift. Prachtvoll die 137 ganzseitigen, überdimensionalen, farbigen Miniaturen (Format: 25,0 x 35,5 cm) aller damals berühmten, jedoch auch weniger bekannten Minnesänger, aber ebenso schön die Textseiten mit den rund 6.000 Strophen dieser Sänger. Die 426 Pergamentblätter, also 852 Seiten, waren, in 38 Lagen zusammengefaßt, 12 cm stark, der allererste Einband mit den Schließen ist nicht mehr vorhanden. Auch die ursprüngliche Anordnung ist teilweise zerstört.

Die „Manesse" ist die umfangreichste und vollständigste Sammlung des deutschen Minnesangs und aufgrund ihres ausgezeichneten Erhaltungszustandes und ihrer Texte und Abbildungen auch die beste und verläßlichste Quelle, um die mittelhochdeutsche Lyrik, aber auch das Leben in jenem Zeitraum, kennenzulernen und erforschen zu können.

 

 

 

 

 

 

Die Beziehung zu Neuffen und zum Hohenneuffen

In der „Manesse" sind die 137 Minnesänger in ganz verschiedenen Lebenssituationen idealisiert dargestellt, danach folgen ihre Lieder in schriftlicher Form, kunstvoll mit Initialen geschmückt, mit Schmuckleisten verziehrt, die jeweils auf die vorausgehende Miniatur abgestimmt sind. Die Reihenfolge richtet sich dabei streng nach dem Stand der Dichter. So beginnt den Reigen der Minnesänger selbstverständlich der Ranghöchste der damaligen Welt, der staufische Kaiser Heinrich VI. (1165 – 1197), der mächtigste Herrscher des christlichen Abendlandes, Sohn Kaiser Friedrichs I. Barbarossa. Von ihm sind drei Lieder aufgeführt. Danach folgt der unglückliche König Konradin, der 1268 als 16jähriger als letzter Staufer in Neapel hingerichtet wurde, mit zwei Liedern. Die Miniatur zeigt ihn in einer berühmten Ansicht bei der Beizjagd, der Jagd mit dem Falken.

Nach weiteren Königen, Herzögen und (Mark-) Grafen folgt schon auf Tafel 17 (also an 17. Stelle von 137!) unser „Her Gotfrit von Nifen". Er ist in der Geschichte von 1234 bis 1262 urkundlich bezeugt. In der „Manesse" steht er inmitten eines illustren Kreises von Dichtern im Grafenrange und wird folglich auch als „Graf von Neifen" tituliert, wiewohl die Neuffener diesen Titel rechtlich nie führen durften. Diese hervorragende Position weist darauf hin, daß er (und damit auch das Geschlecht der Neuffener) zur Zeit der Entstehung der „Manesse" eine ebenso herausragende Stellung in Bezug auf Ansehen und Wertschätzung gehabt haben muß.