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Stadt- und Kulturring Neuffen e.V.

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Beschreibung

Codex Manesse fol.73 FalkenjagdIn der großen Heidelberger Liederhandschrift (nach dem Herausgeber, dem Züricher Patrizier, auch »Manesse« genannt), in der, zusammen mit ebensovielen Miniaturen, die Lieder von 139 Minnesängern gesammelt wurden, ist Gottfried mit 51 seiner Lieder vertreten. Im Stadtmuseum Neuffen befindet sich ein Faksimile (= Nachdruck) dieses einmalig schönen Buches. Dort ist Gottfried auf einem Bild mit der Dame seines Herzens zu sehen. Freilich darf man dieses Bild nicht als »Fotographie« von Gottfried auffassen, sondern nur als das stilisierte Bild eines Ritters aus der damaligen Zeit. Doch wie kam es, daß ein Ritter einer Burg am Albtrauf zum Minnesänger wurde?

Am Hof der Staufer bei Göppingen und in der Kaiserpfalz in Wimpfen lernte Gottfried den Sohn des Stauferkaisers Friedrich II. kennen, den jungen König Heinrich (VII.), mit dem er sich anfreundete. Man ritt zusammen aus, maß seine Kräfte, sang, spielte, reimte und tanzte am Hofe. Bald erkannte Gottfried, dass er mehr Freude an der Musik und an der Dichtkunst hatte als am ritterlichen Kampf. Er begann, seine eigenen Lieder zur Laute zu singen, deren Texte und Melodien er selbst ersann.

Die meisten seiner Lieder handeln von der Natur und ihren Schönheiten, von Blümelein und Vögelein, vom erwachenden Frühling und warmen Sommer, vom grünen Gras und der Sonne – aber auch vom kalten, grimmigen Winter. Außerdem sang er von der Liebe zu der Dame seines Herzens und von der Anbetung der hohen, unerreichbaren Frauen. Dies ist die »hohe Minne« (Minne = Liebe), die Kunstrichtung ist der Minnesang und die Lieder heißen deshalb Minnelieder.

Während der Ritterzeit gab es viele berühmte Minnesänger, und Gottfried war damals einer der bekanntesten. Heute ist er leider nicht mehr so berühmt; viel bekannter sind heute z. B. Hartmann von Aue oder Heinrich von der Vogelweide.

Damals sprach man noch ein etwas anderes Deutsch als jetzt, das Mittelhochdeutsche, von dem wir heute nicht mehr alles auf Anhieb verstehen. Deshalb hier zwei der bekanntesten Lieder Gottfrieds in unserer heutigen Sprache:

Die Nachtigall, die sang so wohl,

Dass man ihr's immer danken soll,

Und auch die andern Vögelin. ( = Vögelein)

Da dacht' ich an die Liebste min, ( = mein)

An meines Herzens Königin.

Saelic si diu heide!

saelic si diu ouwe!

saelic si der kleinen vogellin süezer sanc!

bluomen, loup, diu beide

stant in manger schouwe,

diu der kalte winter hiure mit sim froste twanc..

dien ist an ir fröiden wol gelungen:

also möhte ouch ich an minen fröiden widerjungen,

troste mich ein roter munt nach dem min herze ie ranc.

Roter munt, nu lache,

daz mir sorge swinde,

rote munt, nu lache, daz mir sendez leit zerge,

lachen du mir mache,

daz ich fröide vinde,

roter munt, nu lache, daz min herze froh beste.

sit diu lachen mir git hochgemüete,

neina, roter munt, so lache mir durch dine güete

lacheliche, roeselehte: wes bedörfte ich me?

Die meisten seiner Lieder handeln von der Natur und ihren Schönheiten, von Blümelein und Vögelein, vom erwachenden Frühling und warmen Sommer, vom grünen Gras und der Sonne – aber auch vom kalten, grimmigen Winter. Außerdem sang er von der Liebe zu der Dame seines Herzens und von der Anbetung der hohen, unerreichbaren Frauen. Dies ist die »hohe Minne« (Minne = Liebe), die Kunstrichtung ist der Minnesang und die Lieder heißen deshalb Minnelieder.