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Stadt- und Kulturring Neuffen e.V.

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Geschichte

Bericht der Nürtinger ZeitungAm Südrand des mittelalterlichen, fast kreisrunden historischen Stadtkerns steht das »Große Haus«, das an – oder besser gesagt – auf die Stadtmauer gebaut ist. In den wirren Jahren nach dem 2. Weltkrieg war es unter mehrere Besitzer aufgeteilt, die sich natürlich nicht um das Haus als Ganzes, sondern nur um ihren kleinen Bereich kümmerten. Das stattliche Haus litt sehr unter diesem Zustand und war keine Zierde mehr für Neuffen. Schließlich war es so heruntergekommen, daß die Stadt Neuffen einschreiten mußte, damit seine Bewohner nicht zu Schaden kamen. Doch erst nach langwierigen Verhandlungen mit den verschiedenen Parteien gelang es, die Immobilie in städtischen Besitz zu bekommen. Das stark einsturzgefährdete Haus wurde mit dicken Balken abgestützt und sollte abgerissen werden.

Doch nach einer dendrochronologischen Untersuchung der Eichenbalken (Vergleich der Jahresringe) im Erdgeschoß und im 1. Stock stellte das Landesdenkmalamt 1981 das hohe Alter des Gebäudes fest: Die Eichen wurden anno 1364 gefällt. Das Haus mußte folglich in seinem überwiegenden Teil über 600 Jahre alt sein! Es wurde sogleich unter Denkmalschutz gestellt, gründlich untersucht und nach relativ kurzer Zeit grundlegend restauriert, wobei alte Mauern, Fenster und die Bemalung wenn möglich wiederhergestellt oder erneuert wurden.

AbbruchreifStadtbücherei, Heimatmuseum, als neu konzipiertes Stadtmuseum Neuffen unter der Ägide des Stadt- und Kulturrings, fanden darin Platz. Die Kosten für die gelungene Restaurierung betrugen exakt 2.639.261,55 DM. Zur Einweihung gab am 26. 9. 1986 gibt einen feierlichen Festakt, an dem die Bevölkerung in großer Zahl teilnahm.

Das steinerne Erdgeschoß stammt also zweifellos aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Doch der sich im rechten Winkel dazu befindliche Gewölbekeller ist sogar noch älter. Wegen seiner flachen Wölbung darf angenommen werden, daß er sogar in die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert werden kann. Das wäre dann etwa genau die Zeit oder kurz danach, als Neuffen mit einer Stadtmauer umgeben wurde. Beleg dafür ist, daß in das Gebäude der auf der Stadtmauer rundum verlaufende Wehrgang integriert wurde. Er ist bis heute erhalten und zu besichtigen. Einziger Unterschied zur damaligen Zeit: die Schießscharten wurden mit Fenstern versehen.

Wie die verschiedenen Jahreszahlen am und im Gebäude zeigen, wurde es im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. So ließen die Besitzer 1595 das rundbogige Eingangstor verkleinern, bestimmt, weil das Haus zu diesem Zeitpunkt nicht mehr landwirtschaftlich genutzt wurde. Das Haus wurde aufgestockt, und es entstand der charakteristische Fachwerkaufsatz. Um diese Zeit wurden auch die Innenräume gänzlich neu gestaltet. Die Jahreszahl 1573 im mittleren Raum des 1. Stocks mag dies verdeutlichen. In diesem Zeitraum entstanden beispielsweise die Blocktreppe und die ockerfarben bemalte Decke. Besonders schön sind die mit Butzenscheiben verglasten Fenster mit den Sandsteinsitzen darunter. Einer dieser Sitze präsentiert sich noch im Originalzustand, die anderen sind entsprechend nachgestaltet. Die Außenbemalung mit der grauen Verzierung ist zwar nicht gesichert, doch wurde hier auf ähnliche Gebäude gleichen Alters Bezug genommen. Auf einen erneuten Umbau weist die Jahreszahl 1707 in der Eingangshalle hin.

Heute ist das Haus, an das aus Platzgründen außen eine Treppe angebaut wurde, im Bewußtsein der meisten Neuffener fest verankert. Waren sie zunächst, hauptsächlich ob des großen finanziellen Aufwandes, doch sehr skeptisch, so betrachten sie es heute mit Stolz und freuen sich, daß es, anders als manch ähnliches historische Bauwerk in den Nachbarorten, nicht abgerissen, sondern so hervorragend restauriert wurde.